Dienstag, 13. Juli 2021 - 19:24 Uhr

17.06.2021: Motion «Homeoffice für eine gleichmässigere Auslastung der Verkehrsinfrastruktur nutzen»

Titel: Homeoffice für eine gleichmässigere Auslastung der Verkehrsinfrastruktur nutzen

Art des Vorstosses: Motion

Sprecher: Casimir von Arx

Weiter Urheber:innen: Hanspeter Steiner (EVP), Jan Remund (Grüne), Mathias Müller (SVP), Katharina Baumann-Berger (EDU), Jan Gnägi (Die Mitte)

Status der Bearbeitung & version française: siehe Website des Grossen Rates (falls dieser Direktlink nicht mehr funktioniert, bitte direkt auf der Seite des Grossen Rates unter www.gr.be.ch suchen; der Vorstoss trägt in der Systematik des Grossen Rates die Geschäftsnummer «2021.RRGR.220»)


Antrag

Der Regierungsrat wird wie folgt beauftragt:

  1. Arbeitgeber:innen im Kanton Bern werden in geeigneter Weise darüber informiert, wo die Verkehrsspitzen welches Ausmass in Abhängigkeit bspw. von Wochentag und Tageszeit haben. Die entsprechenden Informationen sind öffentlich abrufbar.

  2. Arbeitgeber:innen im Kanton Bern werden darauf aufmerksam gemacht, welche Relevanz eine gleichmässige Auslastung der Verkehrsinfrastruktur hat und in welchem Zusammenhang diese Auslastung insbesondere mit der Verteilung der Home-Office-Tage auf die Arbeitswoche steht.

  3. Der Kanton Bern als Arbeitgeber geht mit gutem Beispiel voran und strebt an, dass sich die Home-Office-Tage seiner Mitarbeitenden soweit möglich gleichmässig über die Arbeitswoche verteilen.


Begründung

Zur Bewältigung von Verkehrsspitzen investiert die öffentliche Hand massiv in teure Infrastruktur für den öffentlichen und den privaten Verkehr. Eine gleichmässigere Auslastung der Verkehrsinfrastruktur bedeutet eine Reduktion der Verkehrsspitzen und leistet damit einen Beitrag zur Entlastung öffentlicher Finanzhaushalte sowie gegen den Verlust von Landwirtschafts- und Kulturflächen für weitere Schienen und Strassen.

Bedingt durch die Corona-Pandemie kam es zu einer starken Verbreitung des Arbeitens im Home-Office. Zunächst eine epidemiologische Notwendigkeit, ist diese Arbeitsform inzwischen zu einem Bedürfnis vieler Arbeitnehmer:innen geworden, und attraktive Arbeitgeber:innen ermöglichen es, einen Teil der Arbeit vom Home-Office aus zu leisten. Dies hat eine dämpfende Wirkung auf den Pendelverkehr und potenziell auch auf das Ausmass der Verkehrsspitzen.

Der Regierungsrat scheint diesen Zusammenhang zu anerkennen. So schreibt er im Vortrag zum Beschluss über das Angebot im öffentlichen Verkehr für die Fahrplanperioden 2022 bis 2025:

«Heute ist absehbar, dass Homeoffice verstärkt durch die Pandemie auch längerfristig an Bedeutung gewinnt. Das hat Auswirkungen auf die Pendlerströme. Offen ist allerdings, ob dies auch dazu führen wird, dass die regelmässigen Spitzenbelastungen abnehmen werden. Einerseits werden die meisten Arbeitstätigen mit Homeoffice einzelne Tage pro Woche zu Hause arbeiten, andererseits kann festgestellt werden, dass Montag, Mittwoch und Freitag die beliebtesten Tage für Homeoffice sind. Zur Reduktion der Spitzenbelastungen wäre eine regelmässige Verteilung auf alle Wochentage wesentlich.»(1)

Indes erweckt obige Formulierung den Eindruck, der Regierungsrat überlasse es mehr oder weniger dem Zufall, ob das Potenzial von Home-Office zur Reduktion der Verkehrsspitzen tatsächlich ausgeschöpft wird. Wie der Regierungsrat selbst schreibt, werden nicht alle Arbeitstage gleich häufig als Home-Office-Tage genutzt. Genau das wäre aber nötig, um die Verkehrsspitzen zu reduzieren.

Was den Kanton selbst in seiner Funktion als Arbeitgeber anbelangt, wurde der Regierungsrat in der als Postulat überwiesenen Motion «Homeoffice für Kantonsangestellte»(2) dazu aufgefordert, die Homeoffice-Tage gleichmässig auf die Arbeitswoche zu verteilen. Allerdings nahm der Regierungsrat weder in der Vorstossantwort noch in seinen Ausführungen während der Ratsdebatte zu dieser Forderung Stellung.

Für eine spürbare Reduktion der Verkehrsspitzen reicht es indes nicht aus, wenn die Kantonsangestellten ihre Home-Office-Tage gleichmässig über die Arbeitswoche verteilen. Andere Arbeitgeber:innen, bei denen das Arbeiten im Home-Office möglich ist, müssen, soweit es ihnen möglich ist, mitziehen. Der Regierungsrat soll sie daher darüber informieren, wo die Verkehrsspitzen bspw. zu verschiedenen Wochentagen und Tageszeiten welches Ausmass haben, und sie auf den Nutzen einer gleichmässigeren Auslastung der Verkehrsinfrastruktur aufmerksam machen. Nicht zuletzt dürfte es auch im Eigeninteresse von Arbeitgeber:innen liegen, die eine Erhöhung der Vollzeitstellen pro Büroarbeitsplatz anstreben, wenn jeden Tag etwa gleich viele ihrer Mitarbeitenden vor Ort anwesend sind. Die erwähnten Informationen über Ausmass und Verteilung der Verkehrsspitzen sind öffentlich abrufbar, damit sie auch von weiteren interessierten Kreisen genutzt werden können, bspw. von Hochschulen oder von Organisationen, die Grossveranstaltungen durchführen.

 

(1) https://www.gr.be.ch/etc/designs/gr/media.cdwsbinary.DOKUMENTE.acq/075e624bd50b483186909079598e6c3e-332/16/PDF/2020.BVD.4550-Vortrag-D-218440.pdf, S. 15.

(2) https://www.gr.be.ch/gr/de/index/geschaefte/geschaefte/suche/geschaeft.gid-bb94ffbfce9b4ea19d66e57538531b92.html.

Gelesen 114 mal Letzte Änderung am Dienstag, 13. Juli 2021 - 19:39 Uhr

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